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Steuerberatung

Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen beim Schritt ins Ausland

Im Mittelstand bestehen starke außenwirtschaftliche Verflechtungen. Häufig spielt die Nähe zu bestimmten Rohstoffquellen, zu großen Kunden sowie zu strategischen Verkehrsknotenpunkten die entscheidende Rolle für das Auslandsengagement.

Ist die betriebs­wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung getrof­fen, müs­sen vor einem Aus­land­s­en­ga­ge­ment die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen abge­steckt wer­den - und zwar unab­hän­gig davon, ob es um eine aus­län­di­sche Pro­duk­ti­ons­stätte, ein Mon­ta­ge­pro­jekt oder ein Ver­triebs­büro im Aus­land geht. Wer sich im Aus­land enga­giert, hat es mit min­des­tens zwei Rechts­ord­nun­gen und kon­kur­rie­ren­den Steu­er­sys­te­men zu tun. Wäh­rend inn­er­halb der EU geschäft­li­che Enga­ge­ments recht­lich ver­g­leichs­weise ein­fach sind, müs­sen steu­er­lich min­des­tens zwei Fis­kal­be­hör­den zufrie­den ges­tellt wer­den.

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Geht das geschäft­li­che Enga­ge­ment über die Gren­zen der EU hin­aus, sollte die Aus­wahl mög­lichst auf ein Land mit einem sta­bi­len und über­schau­ba­ren Rechts­sys­tem fal­len. Fak­ti­sche Gege­ben­hei­ten schrän­ken diese Wahl oft ein, so dass das Invest­ment regel­mä­ßig mit kaum absi­cher­ba­ren Unwäg­bar­kei­ten ver­bun­den ist. Hil­f­reich kann dann der enge Schul­ter­schluss mit Inves­to­ren sein, die die­sen Weg bereits beschrit­ten haben.

Viele Staa­ten sch­rei­ben genau vor, unter wel­chen Rah­men­be­din­gun­gen Aus­land­s­en­ga­ge­ments ablau­fen müs­sen. Oft­mals muss zwin­gend eine aus­län­di­sche Nie­der­las­sung oder gar eine Toch­ter­ge­sell­schaft gegrün­det wer­den, um über­haupt geschäft­lich län­gere Zeit in dem Land tätig sein zu dür­fen. So kann etwa in Bra­si­lien kein Per­so­nal ange­s­tellt wer­den, wenn keine Toch­ter­ge­sell­schaft oder Nie­der­las­sung des Inve­s­tors besteht. Auch die regel­mä­ßig gefor­derte Haf­tungs­ab­schir­mung kann nur mit Grün­dung einer ent­sp­re­chen­den Aus­lands­ge­sell­schaft erreicht wer­den. Gerade in den USA sollte die Rechts­form­wahl des­halb gründ­lich über­legt sein. Daran sch­ließt sich die steu­er­li­che Über­le­gung nach der güns­tigs­ten Gestal­tung an. Aus­län­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten sind hier meist von Vor­teil. Da diese jedoch bei wei­tem keine ver­g­leich­bare Akzeptanz am jewei­li­gen Markt wie eine GmbH & Co. KG in Deut­sch­land haben, gelingt der Spa­gat zwi­schen recht­li­cher Ein­fach­heit und steu­er­li­cher Opti­mie­rung nicht immer.

Admi­ni­s­t­ra­tiv und büro­k­ra­tisch am ein­fachs­ten lässt sich ein Aus­land­s­en­ga­ge­ment über die Grün­dung einer eigen­stän­di­gen Kapi­tal­ge­sell­schaft rea­li­sie­ren. Diese - steu­er­lich nicht immer güns­tigste - Rechts­wahl hat den Vor­teil, dass die Gesell­schaft im jewei­li­gen Staat Steue­rin­län­der ist und in aller Regel auch bei deut­schen Anteils­eig­nern so behan­delt wird, wie andere lokale Gesell­schaf­ten. Meist kom­men bei der Wahl die­ser Rechts­form auch mög­li­che recht­li­che Beschrän­kun­gen für Aus­län­der nicht zur Anwen­dung. Gewinne einer der­ar­ti­gen aus­län­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft unter­lie­gen in der Regel der ört­li­chen Gewinn­be­steue­rung. Gewin­ner­mitt­lung und Bilan­zie­rung rich­ten sich nach den aus­län­di­schen Vor­schrif­ten. Schüt­tet die aus­län­di­sche Toch­ter­ge­sell­schaft Gewinne nach Deut­sch­land aus, hängt die hie­sige Besteue­rung davon ab, ob die Anteile von einer Pri­vat­per­son bzw. Per­so­nen­ge­sell­schaft oder von einer Kapi­tal­ge­sell­schaft gehal­ten wer­den. Im ers­ten Fall unter­liegt die Aus­schüt­tung dem Tei­l­ein­künf­te­ver­fah­ren. Ist dage­gen eine deut­sche Kapi­tal­ge­sell­schaft Anteils­eig­ne­rin, fällt - zunächst - keine deut­sche Kör­per­schaft­steuer an. Ledig­lich fünf Pro­zent der Gewinn­aus­schüt­tung wer­den bei der deut­schen Anteils­eig­ne­rin als nicht abzugs­fähige Auf­wen­dun­gen behan­delt. Quel­len­steu­ern auf Divi­den­den kön­nen je nach natio­na­ler Rege­lung dazu kom­men und im zwei­ten Schritt nach dem ein­schlä­g­i­gen Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men im Ideal­fall auf Null redu­ziert wer­den. Hier ist eine vor­aus­schau­ende Pla­nung unab­ding­bar.

Wird dage­gen ledig­lich eine Betriebs­stätte oder eine Per­so­nen­ge­sell­schaft im Aus­land gegrün­det, wer­den deren Gewinne im Aus­land nach den dort beste­hen­den Regeln besteu­ert. Han­delt es sich dabei um die aus­län­di­sche Nie­der­las­sung einer deut­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft, kommt im Regel­fall die aus­län­di­sche Kör­per­schaft­steuer zur Anwen­dung. Steht hin­ter der Nie­der­las­sung ein deut­scher Ein­zel­un­ter­neh­mer oder eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, wird oft eine  Ein­kom­men­steuer im Aus­land erho­ben. Besteht zwi­schen dem aus­län­di­schen Staat und Deut­sch­land ein Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men, sind die aus­län­di­schen Ein­künfte in Deut­sch­land in der Regel unter Pro­gres­si­ons­vor­be­halt steu­er­be­f­reit. Dadurch lässt sich in die­ser Gestal­tung das - idea­ler­weise nie­d­ri­gere -  aus­län­di­sche Steu­er­ni­veau bis auf die Ebene des Gesell­schaf­ters sch­leu­sen.

Sch­ließ­lich ist das gewählte aus­län­di­sche Kon­strukt mit Leben zu fül­len - dafür sind Per­so­nal und Geschäfts­aus­stat­tung vor Ort erfor­der­lich. Hier­für eig­nen sich bereits beste­hende lang­jäh­rige aus­län­di­sche Part­ner, zu denen ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis auf­ge­baut wer­den konnte. Oft sind eigene Mit­ar­bei­ter ins Aus­land zu ent­sen­den, die das Aus­land­s­en­ga­ge­ment vor Ort - zusam­men mit loka­len Mit­ar­bei­tern - vor­an­t­rei­ben. Wird Per­so­nal ins Aus­land ent­sandt, sind für diese Mit­ar­bei­ter auf­ent­halts­recht­li­che, arbeits­recht­li­che, steu­er­li­che und sozial­ver­si­che­rungs­recht­li­che Aspekte zu berück­sich­ti­gen, die auf Grund der Kom­ple­xi­tät und Ver­zah­nung der ver­schie­de­nen Regel­be­rei­che ohne fach­kun­di­gen Rat kaum lös­bar sind.

Was bei einem Aus­land­s­en­ga­ge­ment noch zu beach­ten ist und wie wir Sie dabei unter­stüt­zen kön­nen, ent­neh­men Sie bitte unse­rer Bro­schüre „Aus­land­s­en­ga­ge­ments im inter­na­tio­na­len Mit­tel­stand“.

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