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Pläne zur US-Steuerreform - Folgen für deutsche Unternehmen

Pläne aus dem mehrheitlich republikanisch besetzten US-Repräsentantenhaus sehen eine fundamentale Reform der US-amerikanischen Unternehmensbesteuerung vor. Unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump könnte der Vorschlag Realität werden.

Der steu­erpf­lich­tige Unter­neh­mens­ge­winn würde dem­nach über eine reine „Cash-Flow“-Rech­nung erfol­gen. Der Kör­per­schaft­steu­er­satz soll von 35 % auf 20 % sin­ken. Ver­bun­den mit Expor­t­sub­ven­tio­nen für US-Unter­neh­men bei gleich­zei­ti­ger Besteue­rung von Impor­ten soll die Reform offen­bar dem Außen­han­dels­de­fi­zit der USA ent­ge­gen­wir­ken. Für deut­sche Unter­neh­men könn­ten die US-Pläne gra­vie­rende Fol­gen haben.

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Eine Besteue­rung des „Cash-Flow“ bedeu­tet: Der steu­erpf­lich­tige Unter­neh­mens­ge­winn wird als Dif­fe­renz aus zuge­f­los­se­nen Ein­nah­men und abge­f­los­se­nen Aus­ga­ben ermit­telt - los­ge­löst vom Bilanz­an­satz und der Absch­rei­bung der Wirt­schafts­gü­ter.

Bei­spiel: Erwirbt ein US-Unter­neh­men z.B. eine Maschine im Wert von USD 100.000, kann das Unter­neh­men im Wirt­schafts­jahr der Anschaf­fung unter der „Cash-Flow“-Steuer die vol­len abge­f­los­se­nen Aus­ga­ben i. H. v. USD 100.000 schon im Jahr der Anschaf­fung steu­er­lich abzie­hen - und nicht erst ver­teilt über eine mehr­jäh­rige Absch­rei­bung.

Das Kon­zept ist ver­g­leich­bar mit der im deut­schen Steu­er­recht bekann­ten voll­stän­di­gen Sofort­ab­sch­rei­bung bei gering­wer­ti­gen Wirt­schafts­gü­tern, jedoch ohne jeg­li­che Beg­ren­zung der Höhe nach. Mit der „Cash-Flow“-Steuer wür­den sig­ni­fi­kante Liqui­di­täts- und Zins­vor­teile für US-Unter­neh­men ein­her­ge­hen. Die geplante Steu­er­satz­sen­kung würde zu wei­te­ren Ent­las­tun­gen füh­ren.

Für deut­sche Unter­neh­men mit Geschäfts­be­zie­hun­gen in die USA zeich­net sich ein weni­ger posi­ti­ves Bild. Mög­li­cher­weise gra­vie­rende Fol­gen der US-Steu­er­re­form­pläne erge­ben sich aus einem wei­te­ren Kern­e­le­ment des Reform-Ent­wurfs - dem steu­er­li­chen Grenz­aus­g­leich („Bor­der Tax Adjust­ment“). Ins Aus­land expor­tierte mate­ri­elle und imma­te­ri­elle Wirt­schafts­gü­ter sowie Dienst­leis­tun­gen sol­len von der neuen US-Steuer bef­reit wer­den. Für die Exporte ein­ge­setzte Pro­duk­ti­ons­kos­ten kön­nen gleich­wohl unver­min­dert zum Abzug gebracht wer­den. Umge­kehrt sol­len ent­sp­re­chende Importe in die USA voll­stän­dig besteu­ert wer­den. Über Details der Umset­zung schweigt sich der Ent­wurf bis­lang zwar noch aus. Bei Impor­ten an US-Unter­neh­men dürfte im Ergeb­nis aber sch­licht der steu­er­li­che Abzug beim US-Unter­neh­men ver­sagt wer­den.

Bei­spiel: Impor­tiert ein US-Unter­neh­men eine in Deut­sch­land pro­du­zierte Maschine zum Preis von USD 100.000, kann das US-Unter­neh­men kei­nen steu­er­li­chen Abzug gel­tend machen (weder sofort noch über eine Absch­rei­bung). Die Anschaf­fung einer in den USA pro­du­zier­ten Maschine erlaubt dage­gen den voll­stän­di­gen Sofort­ab­zug, was effek­tiv zu einer 20 %igen Ent­las­tung noch im Wirt­schafts­jahr der Anschaf­fung führt. Die an sich gleich teure US-Maschine würde das US-Unter­neh­men damit effek­tiv nur USD 80.000 kos­ten.

Im Ergeb­nis wird das impor­tie­rende deut­sche Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men gegen­über dem US-Her­s­tel­ler steu­er­lich dis­kri­mi­niert, weil die Import­ware aus Sicht des US-Erwer­bers um USD 20.000 bzw. (USD 20.000/USD 80.000 =) 25 % teu­rer ist. Das könnte einen ent­sp­re­chen­den Preis­druck auf die Import­gü­ter aus­ü­ben und im Ext­rem­fall dazu füh­ren, dass der erziel­bare Preis aus Sicht des deut­schen Importeurs um die US-Steuer (20 %) sinkt. Wirt­schaft­lich mit der US-Steuer belas­tet wäre damit das deut­sche Unter­neh­men - selbst wenn die­ses die US-Steuer gar nicht zah­len müsste.

Mit­tel- bis lang­fris­tig könnte die US-Steu­er­re­form - so Öko­no­men - aller­dings zu einer Auf­wer­tung des US-Dol­lars füh­ren. Die Import-Dis­kri­mi­nie­rung würde damit abge­mil­dert, weil die in die USA impor­tie­ren­den Unter­neh­men vom bes­se­ren Wech­sel­kurs pro­fi­tie­ren. Ohne steu­er­li­che Gegen­maß­nah­men in Deut­sch­land (z. B. in Form eines Abzugs des US-Steuer-Betrags von der deut­schen Bemes­sungs­grund­lage) dürfte gleich­wohl eine steu­er­li­che Zusatz­be­las­tung beim deut­schen Export-Unter­neh­men ver­b­lei­ben.

Hin­weis: Für Unter­neh­men mit Gesell­schaf­ten in Deut­sch­land und in den USA würde die US-Steu­er­re­form die Bedeu­tung der Ver­rech­nung­s­p­reise zwi­schen den Gesell­schaf­ten deut­lich erhöhen. Der Grenz­aus­g­leich („Bor­der Tax Adjust­ment“) würde effek­tiv dazu füh­ren, dass „inter­com­pany“ Waren­lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen von der deut­schen an die US-Gesell­schaft in Deut­sch­land ver­steu­ert wer­den, ohne in den USA zum steu­er­li­chen Abzug zu füh­ren. Umge­kehrt wür­den „inter­com­pany“ Waren­lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen von der US-Gesell­schaft an die deut­sche Kon­zern­ge­sell­schaft zu einer Export-Steu­er­be­f­rei­ung in den USA füh­ren, wäh­rend sie in Deut­sch­land steu­er­lich abzugs­fähig wären. Die US-Steu­er­re­form würde so zu einer effek­ti­ven Steu­er­satz­dif­fe­renz in Höhe des deut­schen Steu­er­sat­zes füh­ren. In den Gren­zen des Fremd­ver­g­leichs­grund­sat­zes könn­ten Ver­rech­nung­s­p­reise hier ziel­füh­r­end genutzt wer­den.

Noch ist nicht end­gül­tig abseh­bar, ob der neue Prä­si­dent tat­säch­lich zu einer so weit­rei­chen­den Steu­er­re­form bereit wäre und diese auch tat­säch­lich durch­set­zen könnte. Gerade zur mög­li­chen Umset­zung des „Bor­der Tax Adjust­ment“ lie­gen noch keine Detail­in­for­ma­tio­nen vor (z. B. über eine mög­li­che Steu­er­schuld­ner­schaft des aus­län­di­schen Importeurs). Deut­sche Unter­neh­men mit Geschäfts­be­zie­hun­gen in die USA soll­ten die Reform­pläne in den USA gleich­wohl genau ver­fol­gen - gerade wegen der tief­g­rei­fen­den Fol­gen. Ins­be­son­dere beim Abschluss län­ger­fris­ti­ger (Lie­fer-)Ver­träge könnte in Betracht gezo­gen wer­den, die mög­li­che Ein­füh­rung eines „Bor­der Tax Adjust­ment“ bereits zu berück­sich­ti­gen (z. B. durch Auf­nahme außer­or­dent­li­cher Kün­di­gungs­mög­lich­kei­ten oder der Ver­ein­ba­rung zur Neu­ver­hand­lung der ver­ein­bar­ten Preise).
 


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