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Kindergeld: Konsekutives Masterstudium ist als Teil der Erstausbildung

BFH 3.9.2015, VI R 9/15

Ein Masterstudium stellt jedenfalls dann Teil einer einheitlichen Erstausbildung dar, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist (sog. konsekutives Masterstudium). Damit besteht unter diesen Voraussetzungen auch nach Abschluss eines Bachelorstudienganges ein Anspruch auf Kindergeld.

Der Sach­ver­halt:
Der Sohn der Klä­ge­rin hatte im April 2013 den Stu­di­en­gang Wirt­schafts­ma­the­ma­tik an einer Uni­ver­si­tät mit dem Bache­lor-Abschluss been­det. Für das Win­ter­se­mes­ter 2012/2013 schrieb er sich dort für den Mas­ter­stu­di­en­gang eben­falls im Bereich Wirt­schafts­ma­the­ma­tik ein und führte den Stu­di­en­gang nach Erlan­gung des Bache­lor-Abschlus­ses fort. Dane­ben war er 21,5 Stun­den wöchent­lich als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft und als Nach­hil­fe­leh­rer tätig.

Die Fami­li­en­kasse hob die zuguns­ten der Klä­ge­rin erfolgte Kin­der­geld­fest­set­zung ab dem Errei­chen des Bache­lor-Abschlus­ses auf. Sie war der Ansicht, dass die Ers­t­aus­bil­dung des Soh­nes mit dem Bache­lor-Abschluss been­det war. Eine grund­sätz­lich mög­li­che Wei­ter­ge­wäh­rung bis zum Abschluss des Mas­ter­stu­di­ums sei zudem nicht mög­lich, da das Kind wäh­rend des Stu­di­ums mehr als 20 Stun­den pro Woche gear­bei­tet habe.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Auf die Revi­sion der Klä­ge­rin hob der BFH das Urteil auf und gab der Klage statt.

Die Gründe:
Der Sohn der Klä­ge­rin hatte im Streit­zei­traum eine erst­ma­lige Berufs­aus­bil­dung noch nicht abge­sch­los­sen. Damit kam es auf die Frage der Erwerb­s­tä­tig­keit nicht an. Für Kin­der­geld­zwe­cke war der Sohn als Kind nach § 63 Abs. 1 S. 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2a EStG zu berück­sich­ti­gen. Dem­nach hat die Klä­ge­rin gem. § 62 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 63 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 i.V.m. § 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2a EStG im Streit­zei­traum einen Anspruch auf Kin­der­geld für ihren Sohn.

Zwar ist nach der ab 2012 gel­ten­den Fas­sung des § 32 Abs. 4 S. 2 EStG Kin­der­geld auch wei­ter­hin für ein in Aus­bil­dung befind­li­ches Kind zu gewäh­ren, solange das Kind nicht das 25. Lebens­jahr vol­l­en­det hat. Es kommt dabei grund­sätz­lich nicht dar­auf an, ob es sich um eine Erst-, Zweit- oder Drit­t­aus­bil­dung han­delt. Aller­dings ent­fällt der Kin­der­geld­an­spruch, wenn das Kind nach sei­ner Ers­t­aus­bil­dung neben einer wei­te­ren Aus­bil­dung regel­mä­ßig mehr als 20 Stun­den pro Woche arbei­tet.

Das Mas­ter­stu­dium war noch als Teil einer ein­heit­li­chen Ers­t­aus­bil­dung zu wer­ten. Bache­lor- und Mas­ter­stu­dium ste­hen in einem engen sach­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang (sog. kon­se­ku­ti­ves Mas­ter­stu­dium) und sind daher als inte­g­ra­tive Teile einer ein­heit­li­chen Ers­t­aus­bil­dung zu betrach­ten. Da die Ers­t­aus­bil­dung im vor­lie­gen­den Fall mit der Erlan­gung des Bache­lor-Abschlus­ses noch nicht been­det war, kam es nicht dar­auf an, dass der Sohn der Klä­ge­rin bis zur Erlan­gung des Mas­ter­ab­schlus­ses mehr als 20 Stun­den pro Woche gear­bei­tet hatte.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
  • Um direkt zum Voll­text zu gelan­gen, kli­cken Sie bitte hier.
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