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Keine Minderung des Meistgebots als Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer um anteilige Instandhaltungsrückstellung

BFH 2.3.2016, II R 27/14

Beim Er­werb ei­ner Ei­gen­tums­woh­nung im Wege der Zwangs­ver­stei­ge­rung ist das Meist­ge­bot als Be­mes­sungs­grund­lage der Grund­er­werb­steuer nicht um die an­tei­lige In­stand­hal­tungsrück­stel­lung zu min­dern. Die an­tei­lige In­stand­hal­tungsrück­stel­lung ist Teil des Ver­wal­tungs­vermögens der Woh­nungs­ei­gentümer­ge­mein­schaft und da­mit nicht Vermögen des von der Zwangs­ver­stei­ge­rung be­trof­fe­nen Woh­nungs­ei­gentümers.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin hatte im De­zem­ber 2011 und im Fe­bruar 2012 als Meist­bie­tende bei Zwangs­ver­stei­ge­run­gen je­weils eine und mit Zu­schlags­be­schlüssen aus Au­gust 2012 ins­ge­samt drei Ei­gen­tums­woh­nun­gen er­wor­ben. Die Ver­kehrs­werte la­gen je­weils deut­lich über den Meist­ge­bo­ten.

Das Fi­nanz­amt setzte aus­ge­hend von dem je­wei­li­gen Meist­ge­bot als Be­mes­sungs­grund­lage Grund­er­werb­steuer ge­gen die Kläge­rin fest. Die Kläge­rin for­derte im Ge­gen­zug die Min­de­rung der je­wei­li­gen Be­mes­sungs­grund­la­gen um die an­tei­lig auf die je­wei­li­gen Ei­gen­tums­woh­nun­gen ent­fal­len­den, an­ge­spar­ten In­stand­hal­tungsrück­stel­lun­gen. Dar­auf ließ sich die Steu­er­behörde je­doch nicht ein.

Auch die Klage blieb in al­len In­stan­zen er­folg­los.

Gründe:
Beim Er­werb ei­ner Ei­gen­tums­woh­nung im Wege der Zwangs­ver­stei­ge­rung ist das Meist­ge­bot als Be­mes­sungs­grund­lage der Grund­er­werb­steuer nicht um die an­tei­lige In­stand­hal­tungsrück­stel­lung zu min­dern.

Nach dem Wort­laut des § 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG ist das Meist­ge­bot als Be­mes­sungs­grund­lage an­zu­set­zen. Die Vor­schrift legt die Ge­gen­leis­tung beim Meist­ge­bot im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ty­pi­sie­rend fest. Eine Auf­tei­lung des Meist­ge­bots ent­spre­chend den Grundsätzen zur Auf­tei­lung ei­ner Ge­samt­ge­gen­leis­tung ist nur dann ge­bo­ten, wenn die Zwangs­ver­stei­ge­rung Ge­genstände um­fasst, de­ren Er­werb nicht der Grund­er­werb­steuer un­ter­liegt und für die das Ge­richt eine ge­son­derte Zwangs­ver­stei­ge­rung nach § 65 ZVG an­ord­nen könnte.

Ge­gen­stand der Ver­stei­ge­rung ei­ner Ei­gen­tums­woh­nung ist das Son­der­ei­gen­tum an ei­ner Woh­nung i.V.m. dem Mit­ei­gen­tums­an­teil an dem ge­mein­schaft­li­chen Ei­gen­tum, zu dem es gehört. Sei­nem Um­fang nach um­fasst die Im­mo­bi­li­arzwangs­voll­stre­ckung auch Ge­genstände, auf die sich bei Grundstücken oder grundstücks­glei­chen Rech­ten die Hy­po­thek er­streckt. Sol­che Ge­genstände sind etwa die vom Grundstück ge­trenn­ten Er­zeug­nisse und sons­ti­gen Be­stand­teile, so­weit sie nicht nach den §§ 954 ff. BGB in das Ei­gen­tum ei­nes an­de­ren fal­len. Die In­stand­hal­tungsrück­stel­lung gehört nicht dazu. Die an­tei­lige In­stand­hal­tungsrück­stel­lung ist Teil des Ver­wal­tungs­vermögens der Woh­nungs­ei­gentümer­ge­mein­schaft und da­mit nicht Vermögen des von der Zwangs­ver­stei­ge­rung be­trof­fe­nen Woh­nungs­ei­gentümers.

Der mit dem Zu­schlag im Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ver­bun­dene ge­setz­li­che Überg­ang der Mit­glied­schaft in der Woh­nungs­ei­gentümer­ge­mein­schaft auf den Er­ste­her recht­fer­tigt es eben­falls nicht, die Be­mes­sungs­grund­lage der Grund­er­werb­steuer um die an­tei­lig auf die Ei­gen­tums­woh­nung ent­fal­lende In­stand­hal­tungsrück­stel­lung her­ab­zu­set­zen. Die Mit­glied­schaft in der Woh­nungs­ei­gentümer­ge­mein­schaft begründet kraft Ge­set­zes eine schuld­recht­li­che Son­der­rechts­be­zie­hung, aus der sich eine Viel­zahl von Rech­ten und Pflich­ten er­gibt, die un­trenn­bar mit dem Son­der­ei­gen­tum an der Woh­nung und dem Mit­ei­gen­tums­an­teil am ge­mein­schaft­li­chen Ei­gen­tum ver­bun­den sind.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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