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Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte durch den Arbeitgeber

Seit 1.1.2014 ist für die Ermittlung der Entfernungspauschale nicht mehr auf die Distanz zwischen der Wohnung des Arbeitnehmers und seiner regelmäßigen Arbeitsstätte, sondern auf die Entfernung zur ersten Tätigkeitsstätte abzustellen. Dabei geht es um weit mehr als eine bloße Umbenennung. Denn der Arbeitgeber kann bestimmen, wo die erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers liegt und hat damit ein beachtliches Gestaltungspotential in der Hand.

In ers­ter Linie kommt es näm­lich auf die dienst- oder arbeits­recht­li­chen Fest­le­gun­gen an. Ist z. B. im Arbeits­ver­trag vor­ge­se­hen, dass die erste Tätig­keits­stätte des Arbeit­neh­mers das Stamm­haus des Unter­neh­mens ist, gilt dies auch dann, wenn er dort nur Hilfs- und Neben­tä­tig­kei­ten aus­führt, wie etwa die Abgabe von Auf­trags­be­stä­ti­gun­gen, Stun­den­zet­teln oder Krank- und Urlaubs­mel­dun­gen. Die Finanz­ver­wal­tung akzep­tiert aus­drück­lich eine sol­che Bestim­mung (BMF-Sch­rei­ben vom 24.10.2014, Rz. 6). Gefor­dert wird ledig­lich ein tat­säch­li­ches Tätig­wer­den des Arbeit­neh­mers an die­ser Tätig­keits­stätte, was ein (zumin­dest gele­gent­li­ches) per­sön­li­ches Erschei­nen vor­aus­setzt.

Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte durch den Arbeitgeber© Thinkstock

Liegt das Stamm­haus nur wenige Kilo­me­ter ent­fernt von der Woh­nung des Arbeit­neh­mers, hat er diese Ent­fer­nung bei der Ermitt­lung der Ent­fer­nungs­pau­schale zu berück­sich­ti­gen, also arbeits­täg­lich mit 0,30 Euro pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter. Andere Fahr­ten, etwa zu Nie­der­las­sun­gen des Unter­neh­mens, an denen er über­wie­gend tätig ist, kön­nen hin­ge­gen nach Rei­se­kos­ten­grund­sät­zen, also mit 0,30 Euro pro gefah­re­nem Kilo­me­ter oder bei Füh­rung eines Fahr­ten­buchs mit den tat­säch­lich ange­fal­le­nen Kos­ten steu­er­min­dernd als Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den oder steu­er­f­rei durch den Arbeit­ge­ber erstat­tet wer­den.

Auch wirkt sich die Ver­ein­ba­rung der ers­ten Tätig­keits­stätte auf die Ermitt­lung des geld­wer­ten Vor­teils aus der Gestel­lung eines Dienst­wa­gens aus. Bei Anwen­dung der sog. 1 % - Methode sind neben dem geld­wer­ten Vor­teil für die Pri­vat­nut­zung in Höhe von monat­lich 1 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses des Dienst­wa­gens zusätz­lich 0,03 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu ver­an­schla­gen. Eine gerin­gere Ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte führt somit zu einem gerin­ge­ren geld­wer­ten Vor­teil und damit zu einer gerin­ge­ren steu­er­li­chen Belas­tung des Arbeit­neh­mers.

Hin­weis

Arbeit­ge­ber sind aller­dings gut bera­ten, bei der Ver­ein­ba­rung der ers­ten Tätig­keits­stätte den Über­blick über die wei­te­ren arbeits­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zu wah­ren. Andern­falls könnte sich eine für den Arbeit­neh­mer güns­tige Rege­lung der ers­ten Tätig­keits­stätte als Nach­teil für den Arbeit­ge­ber erwei­sen, wenn die­ser z. B. auf Grund einer betrieb­li­chen Ver­ein­ba­rung verpf­lich­tet ist, Fahr­ten zu ande­ren betrieb­li­chen Ein­rich­tun­gen dem Arbeit­neh­mer nach Rei­se­kos­ten­grund­sät­zen zu erstat­ten.

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