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Aufwendungen eines Arbeitnehmers für Feier aus beruflichem und privatem Anlass teilweise als Werbungskosten abziehbar

BFH 8.7.2015, VI R 46/14

Der als Werbungskosten abziehbare Betrag der Aufwendungen kann anhand der Herkunft der Gäste aus dem beruflichen/privaten Umfeld des Steuerpflichtigen abgegrenzt werden, wenn die Einladung der Gäste aus dem beruflichen Umfeld (nahezu) ausschließlich beruflich veranlasst ist. Indiz hierfür ist etwa, wenn nicht nur ausgesuchte Gäste aus dem beruflichen Umfeld eingeladen werden, sondern die Einladungen nach abstrakten berufsbezogenen Kriterien (z.B. alle Auszubildenden, alle Zugehörigen einer bestimmten Abteilung) ausgesprochen werden.

Der Sach­ver­halt:
Strei­tig ist, ob die Auf­wen­dun­gen für eine Feier anläss­lich eines run­den Geburts­ta­ges und der Bestel­lung zum Steu­er­be­ra­ter als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit abzieh­bar sind.

Der Klä­ger wurde im Februar des Streit­jah­res zum Steu­er­be­ra­ter bes­tellt. Im April des­sel­ben Jah­res war sein 30. Geburts­tag. Zur Feier bei­der Ereig­nisse lud er Kol­le­gen, Ver­wandte und Bekannte in die Stadt­halle sei­nes Wohn­orts ein. Von den 99 erschie­ne­nen Gäs­ten waren 46 Arbeits­kol­le­gen und 32 Ver­wandte und Bekannte.

Die für Hal­len­miete und Bewir­tung ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen teilte der Klä­ger nach Köp­fen auf und begehrte den Abzug als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit, soweit sie auf die dem beruf­li­chen Bereich zuge­ord­ne­ten Gäste ent­fie­len. Das Finanz­amt ent­sprach dem nicht.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Auf die Revi­sion des Klä­gers hob der BFH das Urteil auf und ver­wies die Sache an das FG zurück.

Die Gründe:
Die Fest­stel­lun­gen des FG tra­gen des­sen Wür­di­gung, die Auf­wen­dun­gen für die Feier seien ins­ge­s­amt pri­vat ver­an­lasst, nicht.

Für die Beur­tei­lung, ob die Auf­wen­dun­gen beruf­lich oder pri­vat ver­an­lasst sind, ist nach der Recht­sp­re­chung des Senats in ers­ter Linie auf den Anlass der Feier abzu­s­tel­len. Von Bedeu­tung ist fer­ner, wer als Gast­ge­ber auf­tritt, wer die Gäs­t­e­liste bestimmt, ob es sich bei den Gäs­ten um Kol­le­gen, Geschäfts­f­reunde oder Mit­ar­bei­ter, um Ange­hö­rige des öff­ent­li­chen Lebens, der Presse, um Ver­bands­ver­t­re­ter oder um pri­vate Bekannte oder Ange­hö­rige des Steu­erpf­lich­ti­gen han­delt. Zu berück­sich­ti­gen ist außer­dem, an wel­chem Ort die Ver­an­stal­tung statt­fin­det, ob sich die finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen im Rah­men ver­g­leich­ba­rer betrieb­li­cher Ver­an­stal­tun­gen bewe­gen und ob das Fest den Cha­rak­ter einer pri­va­ten Feier auf­weist oder gerade nicht.

In dem Fall einer Feier aus beruf­li­chem und pri­va­tem Anlass kann der als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bare Betrag durch­aus anhand der Her­kunft der Gäste aus dem beruf­li­chen oder pri­va­ten Umfeld des Steu­erpf­lich­ti­gen abge­g­renzt wer­den. Das gilt jeden­falls dann, wenn die Ein­la­dung der Gäste aus dem beruf­li­chen Umfeld (nahezu) aus­sch­ließ­lich beruf­lich ver­an­lasst ist. Hier­von kann etwa dann aus­zu­ge­hen sein, wenn nicht nur aus­ge­suchte Gäste aus dem beruf­li­chen Umfeld ein­ge­la­den wer­den, son­dern die Ein­la­dun­gen nach abstrak­ten berufs­be­zo­ge­nen Kri­te­rien (z.B. alle Aus­zu­bil­den­den, alle Zuge­hö­ri­gen einer bestimm­ten Abtei­lung) aus­ge­spro­chen wer­den. Dass der Steu­erpf­lich­tige ggf. zu ein­zel­nen die­ser Kol­le­gen freund­schaft­li­chen Kon­takt pflegt, ändert hieran nichts.

Wer­den dem­ge­gen­über nur ein­zelne Arbeits­kol­le­gen ein­ge­la­den, kann dies auf eine nicht nur uner­heb­li­che pri­vate Mit­ver­an­las­sung der Auf­wen­dun­gen für diese Gäste sch­lie­ßen las­sen und ein Abzug des­halb aus­schei­den. Sind Auf­wen­dun­gen für eine Feier gemischt ver­an­lasst, weil daran sowohl Gäste aus dem pri­va­ten als auch dem beruf­li­chen Umfeld teil­ge­nom­men haben, so sind die Gesamt­kos­ten antei­lig nach Gäs­ten auf­zu­tei­len.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dun­gen ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
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