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§ 16 BewG bei Erbschaft- und Schenkungsteuer nach wie vor anwendbar

BFH 9.4.2014, II R 48/12

Die Be­gren­zung des Jah­res­werts von Nut­zun­gen nach § 16 BewG ist auch nach In­kraft­tre­ten des ErbStRG an­wend­bar, wenn der Nut­zungs­wert bei der Fest­set­zung der Erb­schaft- oder Schen­kung­steuer vom ge­son­dert fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­wert ab­ge­zo­gen wird. § 16 BewG ist nicht an­zu­wen­den, wenn der Nut­zungs­wert bei der Er­mitt­lung des nied­ri­ge­ren ge­mei­nen Werts ei­nes Grundstücks ab­ge­zo­gen wird.

Der Sach­ver­halt:
Der im Ok­to­ber 1935 ge­bo­rene Kläger er­hielt im De­zem­ber 2010 durch no­ta­ri­ell be­ur­kun­de­ten Ver­trag von sei­ner Pfle­ge­toch­ter un­ent­gelt­lich das Ei­gen­tum an dem Ein­fa­mi­li­en­haus über­tra­gen, an dem ihm auf­grund ei­nes Vermächt­nis­ses sei­ner ver­stor­be­nen Le­bens­gefähr­tin ein le­bens­lan­ges un­ent­gelt­li­ches Wohn­recht zu­ge­stan­den hatte. Als Ver­kehrs­werte des Grundstücks und des Wohn­rechts wur­den in dem Ver­trag auf der Grund­lage ei­nes Sach­verständi­gen­gut­ach­tens 60.000 € und 43.000 € an­ge­ge­ben. Der Sach­verständige war von einem Jah­res­wert des Wohn­rechts von 4.744 € aus­ge­gan­gen.

Das Fi­nanz­amt setzte die Schen­kung­steuer ge­gen den Kläger zunächst auf der Grund­lage des be­standskräftig fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­werts von 53.874 € auf 9.930 € fest. Im "Ein­spruchs­be­scheid" setzte das Fi­nanz­amt die Steuer un­ter Berück­sich­ti­gung des mit 23.000 € er­mit­tel­ten Ka­pi­tal­werts des Wohn­rechts und von Er­werbs­ne­ben­kos­ten von 732 € auf 3.030 € herab. Den Ka­pi­tal­wert des Wohn­rechts er­rech­nete das Fi­nanz­amt, in­dem es nach § 16 BewG den Grund­be­sitz­wert von 53.874 € durch 18,6 teilte und den sich hier­aus er­ge­ben­den Jah­res­wert von 2.896 € mit dem in § 14 Abs. 1 BewG i.V.m. dem BMF-Schrei­ben vom 1.10.2009 (BStBl I 2009, 1168) be­stimm­ten Ver­vielfälti­ger von 7,942 mul­ti­pli­zierte. Im Übri­gen blieb der Ein­spruch er­folg­los.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Auf die Re­vi­sion des Fi­nanz­amts hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Klage ab.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat den Jah­res­wert des Wohn­rechts zu­tref­fend er­mit­telt, in­dem es den ge­son­dert fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­wert von 53.874 € durch 18,6 ge­teilt und nicht den vom Sach­verständi­gen er­mit­tel­ten höheren Jah­res­wert berück­sich­tigt hat.

Bei der Er­mitt­lung des Ka­pi­tal­werts der Nut­zun­gen ei­nes Wirt­schafts­guts kann der Jah­res­wert die­ser Nut­zun­gen für Zwecke der Erb­schaft- und Schen­kung­steuer gem. § 12 Abs. 1 ErbStG i.V.m. § 16 BewG höchs­tens den Wert be­tra­gen, der sich er­gibt, wenn der für das ge­nutzte Wirt­schafts­gut nach den Vor­schrif­ten des BewG an­zu­set­zende Wert durch 18,6 ge­teilt wird. Diese Vor­schrift ist ent­ge­gen der An­sicht des FG nach wie vor an­zu­wen­den, wenn sich die Nut­zun­gen auf ein Grundstück be­zie­hen und der Nut­zungs­wert nicht im Rah­men des Nach­wei­ses ei­nes nied­ri­ge­ren ge­mei­nen Werts des Grundstücks berück­sich­tigt, son­dern erst bei der Fest­set­zung der Erb­schaft- oder Schen­kung­steuer vom ge­son­dert fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­wert ab­ge­zo­gen wird.

§ 16 BewG stellt durch die Be­gren­zung des Jah­res­werts auf den Wert, der sich er­gibt, wenn der für das ge­nutzte Wirt­schafts­gut nach den Vor­schrif­ten des BewG an­zu­set­zende Wert durch 18,6 ge­teilt wird, si­cher, dass der Ka­pi­tal­wert der Nut­zun­gen ei­nes Wirt­schafts­guts nicht höher sein kann als der nach den Vor­schrif­ten des BewG an­zu­set­zende Wert des Wirt­schafts­guts. Diese Ziel­set­zung ist sach­ge­recht und fol­ge­rich­tig. Sie recht­fer­tigt die Be­gren­zung des Jah­res­werts der Nut­zun­gen ei­nes Grundstücks gemäß § 16 BewG auch nach der Neu­re­ge­lung der Be­wer­tung des Grund­be­sit­zes durch das ErbStRG. Die Vor­schrift ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig ge­wor­den, so­weit sie sich in­ner­halb ih­res An­wen­dungs­be­reichs auf die Be­wer­tung von Grundstücken be­zieht.

Ab­wei­chend von der früheren Rechts­lage sind nun­mehr im Rah­men des Nach­wei­ses ei­nes nied­ri­ge­ren ge­mei­nen Werts des Grundstücks nach § 198 BewG auf dem Ob­jekt las­tende Nut­zungs­rechte bei der Wert­er­mitt­lung nach Maßgabe der Vor­schrif­ten zu berück­sich­ti­gen, die auf­grund des § 199 Abs. 1 des Bau­ge­setz­buchs (BauGB) er­las­sen wur­den. Die ver­fas­sungsmäßigen Rechte des Steu­er­pflich­ti­gen wer­den da­durch in vol­lem Um­fang ge­wahrt, dass er im Rah­men der ge­son­der­ten Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts (§ 12 Abs. 3 ErbStG i.V.m. § 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG) nach § 198 BewG einen nied­ri­ge­ren ge­mei­nen Wert des Grundstücks un­ter Berück­sich­ti­gung der auf dem Ob­jekt las­ten­den Nut­zungs­rechte nach­wei­sen kann. Macht er von die­ser Möglich­keit kei­nen Ge­brauch, muss er es hin­neh­men, dass der Jah­res­wert des auf dem Grundstück las­ten­den Nut­zungs­rechts bei der Fest­set­zung der Erb­schaft- oder Schen­kung­steuer höchs­tens mit dem in § 16 BewG be­stimm­ten Wert vom ge­son­dert fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­wert ab­ge­zo­gen wird.

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