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„Harter“ Brexit - was ändert sich steuerlich für Unternehmen?

Die Briten haben sich in ihrem Referendum vom 23.6.2016 für den Ausstieg aus der EU entschieden. Premierministerin Theresa May kündigte am 17.1.2017 einen sog. harten Brexit an. Möglicherweise verlässt damit Großbritannien den europäischen Binnenmarkt. Unternehmen mit Investitionen im Königreich oder schlichtweg mit Geschäftsbeziehungen zu britischen Unternehmen stellen sich zahlreiche wirtschaftliche und rechtliche Fragen. Aber auch steuerlich wird sich einiges verändern, sobald der Austritt Großbritanniens aus der EU vollzogen ist.

Grund­sätz­lich gilt aber: die steu­er­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen blei­ben zunächst unve­r­än­dert. Erst mit Voll­zug des Aus­tritts sind auf EU-Recht basie­rende steu­er­li­che Rege­lun­gen, wie z. B. die sog. Mut­ter-Toch­ter-Richt­li­nie oder die umsatz­steu­er­li­chen Vor­ga­ben zu inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen  nicht mehr anzu­wen­den. Aller­dings besteht bei eini­gen steu­er­li­chen Rege­lun­gen eine Fris­ten­re­ge­lung, so dass der Bre­xit inn­er­halb die­ser Frist zu einer nach­träg­li­chen Besteue­rung füh­ren könnte. Wur­den z. B. Wirt­schafts­gü­ter eines inlän­di­schen Unter­neh­mens steu­er­neu­tral in eine bri­ti­sche Betriebs­stätte über­führt, könnte es bei Aus­tritt Großbri­tan­ni­ens inn­er­halb von fünf Jah­ren nach der Über­füh­rung rück­wir­kend zu einer Besteue­rung der stil­len Reser­ven kom­men. Ähn­li­ches könnte ein­t­re­ten, wenn ein Steu­erpf­lich­ti­ger von Deut­sch­land nach Großbri­tan­nien ver­zo­gen ist und die auf stille Reser­ven aus Kapi­tal­ge­sell­schaft­s­an­tei­len im Pri­vat­ver­mö­gen ent­fal­lende Steuer gestun­det wurde. Der Bre­xit dürfte zum Wider­ruf der Stun­dung füh­ren.

© Thinkstock

Hin­weis

Es sollte des­halb bei steu­er­li­chen Sach­ver­hal­ten mit Rück­be­zugs­re­ge­lun­gen bereits heute geprüft wer­den, ob und in wel­cher Höhe Steu­ern durch den Bre­xit aus­ge­löst wer­den könn­ten. Ins­be­son­dere bei aktu­ell zu struk­tu­rie­ren­den Gestal­tun­gen ist dies zu berück­sich­ti­gen.

Auch besteht im Bereich der Umsatz­steuer heute noch kein direk­ter Hand­lungs­be­darf für Unter­neh­men. Hier gilt es jedoch die Ent­wick­lun­gen auf­merk­sam zu ver­fol­gen und erfor­der­li­che Anpas­sun­gen früh­zei­tig ein­zu­lei­ten. Denn sobald Großbri­tan­nien nicht mehr der EU ange­hört, lie­gen z. B. keine umsatz­steu­er­f­reien inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen vor, son­dern es sind die Nach­weise für eine steu­er­f­reie Aus­fuhr­lie­fe­rung zu erbrin­gen. Auch ver­lie­ren dann die Umsatz­steue­ri­den­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern bri­ti­scher Unter­neh­men ihre Gül­tig­keit, so dass deren Unter­neh­mer­ei­gen­schaft ander­wei­tig nach­zu­wei­sen ist.

Abzu­war­ten bleibt, ob es tat­säch­lich zu einem „har­ten“ Bre­xit, also zum Aus­schei­den aus dem euro­päi­schen Bin­nen­markt kommt, so dass zukünf­tig Zölle bei Ein­fuh­ren nach Großbri­tan­nien bzw. bei Aus­fuh­ren aus Großbri­tan­nien in Staa­ten der EU anfal­len könn­ten.

Fazit

Der Voll­zug des Bre­xit wird zu zahl­rei­chen Ände­run­gen der steu­er­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen mit Bezug zu Großbri­tan­nien füh­ren. Zwar besteht aus heu­ti­ger Sicht noch kein aku­ter Hand­lungs­be­darf. Jedoch soll­ten früh­zei­tig erfor­der­li­che Anpas­sun­gen in Angriff genom­men wer­den, um die Abläufe im Unter­neh­men ent­sp­re­chend anzu­pas­sen.

Wir hal­ten Sie gerne über die nächs­ten Schritte auf dem Lau­fen­den und ste­hen Ihnen gerne bei Fra­gen zur Ver­fü­gung.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen ent­neh­men Sie bitte unse­rer Bro­schüre.


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