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Compliance: Wer hoch steigt, kann tief fallen

Compliance sollte nicht nur als bloße Pflichterfüllung gesehen werden. Vielmehr geht es darum, die unternehmensspezifischen Risiken einzuschätzen, zu gewichten und dann entsprechende Systeme zu implementieren, um die bestehenden Risiken weitestgehend zu minimieren. Dabei lohnt sich gelegentlich der Blick über den Tellerrand, um zu sehen, wie andere Disziplinen mit Risiken umgehen.

In lebhaften Veranstaltungen an unseren drei größten Standorten in Köln, Hamburg und Stuttgart Ende November haben wir das Thema Compliance gemeinsam mit Alexander Huber, einem der bekanntesten Profibergsteiger und Extremkletterer weltweit, reflektiert und im Anschluss mit Compliance-Experten aus Unternehmen und aus unserem Hause diskutiert. Denn: Compliance im Unternehmen bedeutet im Grunde nichts anderes als einen 3.000er zu besteigen: Risikomapping, Identifikation von Maßnahmen und Umsetzung der konkreten Prozesse sowie Vertrauen und Verlässlichkeit tragen dazu bei, dass man oben ankommt. So gesehen sind die Compliance-Herausforderungen dieselben wie die Herausforderungen am Berg. Auf den Podien saßen neben Alexander Huber und Christian Parsow von Ebner Stolz in Köln Ralph Günther, Aufsichtsratsvorsitzender CORPUS SIREO (Swiss Life-Gruppe), in Hamburg Henning Michaelsen, Chief Compliance Officer der Aurubis AG sowie last but not least in Stuttgart Ulrich Rothfuchs, Direktor Recht, Compiance und Datenschutz der Dekra SE.
 
Anhand der bildhaften Metaphern aus der Bergwelt eines Alexander Huber lassen sich einprägsame Schlüsse auf die Unternehmenswelt ziehen.

Herr Huber, wie erfolgt die Risikoeinschätzung bei Alexander Huber im Rahmen eines neuen Projektes bzw. der Besteigung eines Bergs?

Die Bandbreite der Projekte in der Welt des Bergsteigens ist groß. Je nachdem, ob wir einen Achttausender im Himalaya, an einer kalten Wand in der Antarktis oder zu den gigantischen Granitwänden des Yosemite National Park aufbrechen, braucht es eine eingehende Analyse, was die Herausforderungen des jeweiligen Projektes sind. Von der Risikoanalyse hängt die Organisation der Expedition, die Zusammensetzung des Teams wie auch die individuelle Vorbereitung ab und natürlich bringt jeder Teilnehmer seine aus vorhergehenden Unternehmen generierten Erfahrungen mit ein. Wenn man erst mal an Fuße eines Berges fernab der Zivilisation steht, dann hängt der Erfolg von der sorgfältigen Vorbereitung ab – gravierende Fehler in der Vorbereitung lassen sich dann meist nicht mehr beheben.

Wie erfolgt die Bestimmung von Maßnahmen, die das Risiko eines Absturzes vermindern sollen?

Generell sind die Gefahren beim Bergsteigen so komplex, dass jeder Berg individuell eingeschätzt werden muss. Sicher, es gibt Risikostrukturen, die sich immer wieder finden und tatsächlich bringt man seinen Erfahrungsschatz aus vorangegangenen Unternehmungen bei der Risikobewertung ein. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass vier Augen mehr sehen als zwei Augen. Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, die Risiken gemeinsam zu thematisieren. Das vermindert das Risiko, dass wichtige Details im Verborgenen liegenbleiben. Nur wenn man die Gefahren kompetent einschätzen kann, ist man in der Lage, risikobehaftete Situation sicher zu durchstehen. Beim Bergsteigen geht es dabei oft genug ums Existentielle.

Wie wählen Sie sich Ihre Partner bei der Besteigung eines Bergs aus?

Bei einer Expedition geht es im Team um die Summe der verschiedenen Kompetenzen. Wie in einer erfolgreichen Fußball-Elf müssen (bzw. sollten) die einzelnen nicht die gleichen Eigenschaften tragen. Man braucht keine elf Stürmer, sondern genau das Gegenteil. Eine Elf ist dann stark, wenn jede Position mit ihren verschiedenen Anforderungen adäquat besetzt ist. Und so ist es beim Bergsteigen durchaus sinnvoll, Mitglieder mit verschiedenen Stärken ins Team zu bringen. Zwei dominante Spitzenbergsteiger ergeben nicht zwangsläufig eine starke Seilschaft. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist wichtiger als die individuelle Stärke.

Wie gehen Sie mit einer Krise am Berg um?

Nur wer gut vorbereitet ist, kann auf Krisen am Berg reagieren. Nur wer aus der Distanz gut analysiert hat, kann am Berg selbst den Überblick behalten. Und gerade auch dann, wenn die ständig wechselnden Bedingungen am Berg eine Anpassung des ursprünglichen Plans erfordern. Dass hier in einem guten Team entsprechend kommuniziert wird, liegt auf der Hand, denn vier Augen sehen meist mehr als zwei.

Wie erfolgt die Aufarbeitung einer erlebten Krise?

Fehler lassen sich nicht immer vermeiden. Wichtig ist es aber, dass man aus den gemachten Fehlern lernt.
 

Bildnachweis: © Peter Hartung